Schüler interviewen Tom Schilling und Trystan Pütter

Normalerweise geht es während der Herbstferien recht ruhig auf der Loburg zu, wenn sich Schüler und Lehrer im wohlverdienten „Urlaub“ befinden. Nur vereinzelt sieht man dann Mitarbeiter oder Besucher gemächlich über das Gelände gehen. Normalerweise.

In diesem Jahr aber war das anders: die Loburg diente nämlich in den Ferien als Kulisse für einen neuen TKKG – Film, der im kommenden Jahr in die deutschen Kinos kommt. Nur zwei Wochen standen für die Dreharbeiten zur Verfügung, um die Aufnahmen „in den Kasten zu bekommen“. Zuvor war das Filmteam bereits in Köln und Berlin unterwegs gewesen. Von früh bis spät sah man die Schauspieler von einer Szene zur nächsten über das Gelände eilen, hörte man immer wieder die typischen Befehle „Wir drehen! Ton ab! Ton läuft! Kamera ab! Kamera läuft! Uuuuuuunnnnd bitte!“ und sah die Maskenbildner von einem zum anderen gehen: hier noch etwas Puder, dort noch etwas Haarspray, die Jacke sitzt nicht richtig…

Trotz des geschäftigen Treibens und eines engen Zeitplans nahmen sich Tom Schilling und Trystan Pütter die Zeit und standen unsern Schülern Simon Habenicht und Vincent Schrader beim gemeinsamen Mittagessen für ein Interview zur Verfügung.

Auch an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön hierfür!

Vincent: Sie haben früh mit dem Schauspielern angefangen. Wie gelang es Ihnen in Ihrer Jugend Ihre Schauspielkarriere mit Ihrer Schullaufbahn auszubalancieren?

Tom Schilling: Ich war eigentlich ein recht fauler Schüler. Wenn ich aber gedreht habe, war ich auch in der Schule häufig besser als sonst. Das Drehen gab mir sozusagen die nötige Motivationsspritze. Diese Tätigkeit neben der Schule tat mir gut.

Vincent: Sie haben auch Erfahrungen auf der Bühne. Können Sie uns etwas über die Unterschiede von Film und Theater erzählen?

Tom Schilling: Hier ist Trystan der Erfahrenere von uns beiden und kann da sicher mehr zu sagen.

Trystan Pütter: Das Theater ist unmittelbarer. Man hat nur eine Chance. Auf der Bühne spielt man lauter und emotionaler. Der Inhalt des Theaters ist tiefer und die Texte sind in der Regel anspruchsvoller.

Im Hintergrund klingelt schon zum dritten Mal ein Handy. Trystan Pütter antwortet schlagfertig: Entschuldigung, können Sie bitte Ihr Handy leiser stellen? Wir haben hier ein Interview mit der SZ!

Simon: Haben Sie beide noch eine andere Leidenschaft außer das Schauspiel?

Tom Schilling: Ich bin leidenschaftlicher Tennisspieler.

Trystan Pütter: Sportlich bin ich eher passiv, außer Fußball. Aber vor 1 1/2 Jahren habe ich mit dem Boxen angefangen.

Simon: Herr Schilling, Sie sind auch sehr musikalisch und künstlerisch begabt. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich fürs Schauspiel entschieden haben und nicht für eine der eben genannten Richtungen?

Tom Schilling: Ich wollte eigentlich immer Maler werden. Ich besuchte an der Hochschule einige Zeichenkurse und habe zudem ein Faible für Graffiti. Ich war fest entschlossen, Malerei zu studieren. Mit 17 hatte ich dann mit dem Film „Crazy“ den Durchbruch. So geriet die Malerei in den Hintergrund.

Simon: Und bei Ihnen, Herr Pütter?

Trystan Pütter: An der Waldorfschule besuchte ich einen Literaturkurs. Dort spielten wir Theater, was mir außerordentlich viel Freude bereitete. Zum ersten Mal kam mir so etwas wie Wertschätzung entgegen und dann war es für mich eigentlich klar. Ich wollte Schauspieler werden.

Vincent: Welche Rolle war in Ihrer Filmographie die größte Herausforderung?

Tom Schilling: Vermeintlich schwere Rollen drehen sich mit einem tollen Regisseur entgegen der Erwartungen doch sehr gut. Die Arbeit mit dem Regisseur ist essentiell für die Rolle.

Ich bin unzufrieden mit meinem Auftritt in „Mein Kampf“. Natürlich war hier die Rolle an sich auch sehr schwierig, aber es bestand eine „Gesamtschwierigkeit“ bei diesem Film.

Als ich Hitler verkörperte, bereitete ich mich vor, indem ich abnahm, um so eine Distanz zwischen mir und der Rolle aufzubauen. Meine größte Angst war es, im Spiegel einfach nur mich mit angeklebtem Bart zu sehen.

Simon: Können Sie uns noch etwas zu Ihren Rollen im TKKG-Film sagen?

Tom Schilling: Ich spiele den Vertrauenslehrer Pauling, zu dem die Schüler kommen können, wenn ihnen etwas auf dem Herzen liegt.

Trystan Pütter: Ich spiele Kommissar Glockner, den Vater von Gabi. Er ist vom Aussehen sehr an Columbo angelehnt. Seine Tochter ist mit den Jungs unterwegs und wird jetzt groß, was ihm einige Schwierigkeiten bereitet.

Vincent: Können Sie uns Schülern noch Tipps geben, wie wir es schaffen können, Schauspieler zu werden?

Tom Schilling: Einfach machen! Am besten einen Theaterkurs belegen und möglichst viel spielen. Irgendwann merkt man dann, ob es wirklich das ist, was man machen möchte. Der andere Weg ist das Vorsprechen bei der Schauspielschule, um so „entdeckt zu werden“.

Simon: Noch eine Frage, die ein wenig aus dem Kontext gegriffen ist, aber mich sehr interessiert. Bei den vielen Leuten, die täglich auf Sie zukommen, wie unterscheiden Sie dort gerade im privaten Bereich zwischen denen, die einfach uneigennützig Kontakt aufnehmen und denen, die sich einen Nutzen durch die Bekanntschaft mit Ihnen erhoffen?

Tom Schilling: Man wird schon ein wenig misstrauisch und gibt der Sache nicht so einen Vertrauensvorschuss. Der Annäherungsprozess dauert länger!

Trystan Pütter: Das sehe ich auch so, aber das Problem ist bei mir nicht so akut, da ich wie Tom seit Jahren einen festen Freundeskreis und Familie habe.

Vincent: Hatten Sie auch mal andere Berufe?

Tom Schilling: Ich war mit Ende zwanzig mal kurz beim Auswärtigen Amt tätig, bei der Afghanistan-Konferenz. Ich wurde als Chauffeur herangezogen. Ich chauffierte den damaligen Außenminister von Estland und hatte bisweilen die Aufgabe, bei der Konferenz bilaterale Verhandlungen einzuleiten. Ich glaube, ich war ziemlich unbrauchbar und fühlte mich fehl am Platz.

Trystan Pütter (ironisch): Leider ist Estland seitdem sehr abgeschmiert. Die Verhandlungen kamen aus ungeklärten Gründen nicht zustande…(lacht)

Ich musste als Anfänger Aushilfsjobs erledigen, zum Beispiel in einer Bar oder so. Irgendwann konnte ich vom Theaterschauspiel leben und dann lief alles.

Simon: Wie gefiel es Ihnen während des Drehs an der Loburg?

Trystan Pütter: Es ist wunderschön hier. Tolles Schloss, tolles Ambiente.

Tom Schilling: Ich wäre gerne auf so einem Internat gewesen. Es ist hier alles so prachtvoll. Ich würde es meinen Kindern gönnen, auf so eine Schule zu gehen.

Simon: Danke für das Interview!

Tom Schilling: Danke für die ungezwungene und lockere Unterhaltung.

Trystan Pütter: Das sind ja bekanntlich die besten.

(Stark gekürzt und zusammengefasst von Simon Habenicht)