Loburger Schlossgespräche mit Bischof Dr. Felix Genn

„Kirchliche Schulen sind ein ausgezeichneter Ort, um als Kirche mitten in der Gesellschaft und unter jungen Menschen präsent zu sein.“ Das hat Bischof Dr. Felix Genn bei der Auftaktveranstaltung der Loburger Schlossgespräche am 23. Juni im vollbesetzten Rittersaal des Schlosses betont. Mit Dr. Arnd Küppers, stellvertretender Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ), diskutierte er über das Thema „Katholische Schulen und Internate – Wieso Erziehung in Vorbild und Liebe Christi auch heute noch wichtig ist und bleibt“.

Bischof Genn grenzte sich entschieden von einem funktionalistischen Bildungsverständnis ab, das vor allem darauf abziele, „später auf dem Markt zu bestehen“. Neben dem Vermitteln von Lernstoff hätten kirchliche Schulen die Talente und Ressourcen jedes Einzelnen im Blick. „Jeder Mensch ist für sich ein Geschenk, unabhängig von der Leistung, die er erbringt“, sagte der Bischof. Die Schülerinnen und Schüler sollten die Bedeutung eines auf christlichen Werten gründenden Handelns in ihrem Leben, in der Schule und später im Beruf erfahren. „Wenn ein Schüler über Gott und den Glauben sprechen möchte, Fragen stellen möchte, dann gibt es hier den Raum dazu.“ Ein solches ganzheitliches Bildungsverständnis enthalte „einen Mehrwert, der mit Zahlen nicht zu berechnen ist“.

Genn hob Erziehung und Bildung als Kernaufträge der Kirche hervor, die das Bistum Münster in besonderer Weise erfülle. Rund 38.000 junge Menschen besuchen bistumsweit 69 Schulen in kirchlicher Trägerschaft. „Das ist ein großer Schatz“, betonte er. Primäres Ziel kirchlicher Schulen sei es nicht, Menschen für Kirche zu gewinnen, sondern jungen Leuten Raum für die Begegnung mit Gott zu bieten. Lehrer und Erzieher nähmen dabei eine zentrale Rolle ein, weil sie lebendiges Zeugnis der Frohen Botschaft seien und Vertrauen schafften. „Ein Schüler lernt anders, wenn er spürt, dass ein Lehrer ihn mag und er bei ihm auf offene Ohren stößt“, sagte der Bischof.

In Anlehnung an das vor wenigen Wochen veröffentlichte Schreiben der deutschen Bischöfe zum Selbstverständnis und Auftrag katholischer Schulen verdeutlichte Genn die religiöse Dimension von Erziehung und Bildung. Wenn Schüler die Möglichkeiten hätten, auch existenzielle Fragen des Lebens zur Sprache zu bringen, würde sie dies zu einem verantwortungsvollen Handeln befähigen.

Eng damit verbunden sei auch eine ethische Reflexion: „Der Umgang mit der Schöpfung, Menschenwürde am Lebensanfang und -ende – wo sollen sich Schüler mit diesen Fragen und Positionen auseinandersetzen können, wenn nicht hier?“, wandte er sich vor allem an die anwesenden Lehrer und Eltern. Soziales Lernen bedeute, sensibel zu werden für das, was den Anderen ausmache. Praktische Erfahrungen seien für die Schüler dabei unerlässlich. Als Erfolgsmodell hob Bischof Genn das Sozialpraktikum „Compassion“ hervor, das Schüler der 10. Klasse vieler Schulen in sozial-karitativen Einrichtungen absolvieren. „Da bleibt es nicht bei der Theorie, das ist gelebte Praxis“, freute sich der Bischof.

Die „Loburger Schlossgespräche“ sind eine neue Veranstaltungsreihe des Internatsgymnasiums Collegium Johanneum Schloss Loburg und der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle. Einmal pro Halbjahr soll ein prominenter Gast mit dem Moderator über Themen der Bildung und Pädagogik ins Gespräch kommen.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 24.06.16
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